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Design for all

Aus der Lehre "Modell+Design" heraus entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit den Blindenverbänden, der Bundesregierung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. Neben werbewirksamen Projekten - unterstützt durch Drittmitteleinnahmen - ergab sich ein Forschungsschwerpunkt, in dem das Fach "Modell+Design" beispielhafte Erfolge und Anerkennung verbuchen konnte.

 

Erkenntnisstand

Tastmodell Berlin mit "Lupenmodellen"

Grafikdesign - Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin und Design for all - Barrierefreier Freiraum Berlin

"Close your eyes and see" - Berlin auf der EXPO 2010 in Shanghai

Tasttafel Holocaust Mahnmal

Reichstag - Ein neues Design für Blinde

 


Erkenntnisstand

Nach dem WHO-Report von 2004 leben in Deutschland 164.000 (0,2 %) blinde und 1.066.000 (1,3 %) sehbehinderte Menschen. Jährlich erblinden ca. 10.000 Menschen neu. Während es zwischen 1990 und 2002 nur zu einem moderaten Anstieg der Blindheit um 9 % gekommen ist, konnte ein Anstieg von Sehbehinderungen um 80 % registriert werden. Dies ist vor allem auf die erhöhte Lebenserwartung zurückzuführen. 48 % aller Erblindungen treten ab dem 80. Lebensjahr auf. In Deutschland wird sich nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes die Zahl der 80-jährigen und Älteren bis zum Jahr 2050 nahezu verdreifachen, von heute knapp vier Millionen auf zehn Millionen. Diese Entwicklung zeigt die Bedeutung des Themas Barrierefreiheit auf. Grundlage aller hier relevanten Gesetzgebungen bildet die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (BRK) aus dem Jahr 2009, einem völkerrechtlichen Vertrag, der bereits bestehende Menschenrechte mit Fokus auf die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert. Insbesondere in den Bereichen Planen und Bauen wandelt sich das Thema "Accessibility" hin zu einem "Universal Design" als Leitlinie. So sollte unsere Umwelt derart gestaltet sein, dass sie für alle nutzbar ist, denn für viele behinderte Menschen tritt ein Gefühl der Behinderung erst im Zusammenstoß mit Barrieren auf.

 


Tastmodell Berlin

Berlins größtes taktiles Modell - erstmalig mit "Lupenmodellen"

Ausstellungseröffnung in den Räumen der SenStadt, Berlins größtes taktiles Modell - erstmalig mit "Lupenmodellen"

 

"lupenmodelle"

Blinde Besucherin ertast das Modell

 

"Lupenmodelle"

"Lupenmodelle" vom Brandenburger Tor und vom Reichstag

Durch diese Neuheit ist es blinden Besuchern möglich, über einen Tastweg (Stahlstab) von Klein nach Groß, ausgewählte Berliner Wahrzeichen zu "begreifen".

Dauerausstellung SenStadt, Württembergische Str. 6, 10707 Berlin

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/kalender/kalender_detail.php?date=2-2011&id=2200

 


Grafikdesign

"Die zur Gestaltung der beiden Handbücher entworfenen Gliederpuppen sind inzwischen zum Berliner Markenzeichen für barrierefreies Bauen geworden. Sie führen uns auch durch diese Broschüre und machen uns auf viele Details aufmerksam. Das hat zu einer gestalterischen Handschrift geführt, die völlig neue Maßstäbe setzt und in ganz Europa auf Interesse gestoßen ist."

Herr von Lojewski, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Leiter der Abteilung VI, Ministerielle Angelegenheiten des Bauwesens anläßlich der Veröffentlichung der zweiten Broschüre

Idee, Gestaltung und Layout: Burkhard Lüdtke, Robert Niemann, Annette Müller

Erschienen auch in Englisch und Russisch

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/barrierefreies_bauen/de/handbuch.shtml

Werbeplakat

Werbeplakat

 

Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin

Auszüge aus der Broschüre: Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin / Bild groß: Hubtreppe, frei nach: Bodemuseum Berlin / Bild oben rechts: Barrierefreiheit von Sportsstätten / Bild unten rechts: Ausstattung von Fahrstühlen

 

Design for all - Öffentlicher Freiraum Berlin

Auszüge aus der Broschüre: Design for all - Öffentlicher Freiraum Berlin / Bild groß: Großzügig angelegte Kombination von flachen Rampen und Stufen, frei nach: Lustgarten / Bild oben rechts: Gleichmäßige Ausleuchtung von Wegen / Bild unten rechts: Schiffsanleger mit optischer und taktiler Abgrenzung zum Wasser, frei nach: East-Side-Gallery

 


"Close your eyes and see" Berlinpräsentation auf der EXPO 2010 in Shanghai

Idee und Konzept Burkhard Lüdtke, Realisierung durch Studierende des Fachs Modell+Design. Auftraggeber Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

 

"Close your eyes and see"

Ideeskizze zum Projekt "Close your eyes and see"

"Close your eyes and see" formuliert Impressionen der Stadt - eine wertungsfreie Darstellung von Inhalten und Begriffen.

Die Installation

Neben den dunklen, beleuchteten Modellen werden Begriffe, die Berlin ausmachen, als dreidimensionale chinesische Schriftzeichen skulpturen-gleich in den Raum gestellt und den Interpretationen der Besucher ausgesetzt. Die die Ausstellung begleitenden Berlinphotos sowie die Tastobjekte nehmen den Begriffen einen kleinen Teil ihrer Neutralität und lenken die Vielseitigkeit unterschiedlichster Sichtweisen in Richtung Berlin. Ganz bewusst wird auf eine multimediale und animierte Darstellung Berlins verzichtet. Eine verschleiernde Hülle umschließt einen Erlebnisraum, der nicht auf den Besucher zugeht, sondern ihn um Erkundung und spielerisch um sinnliche Wahrnehmung bittet. Zurückhaltend und fast still soll das hör- und fühlbare Berlin sichtbar gemacht werden.

Der Parcours

Der Berlingast setzt sich eine bedruckte Dunkelbrille auf, die er als Souvenir behalten kann. Geleitet durch ein Geländer startet er am Hauptbahnhof. Dort wird er durch die Ansage "Welcome to Berlin" und die typischen Bahnhofsgeräusche begrüßt. An einem Tastmodell kann er den Bahnhof und seine Umgebung mit Händen begreifen, unter seinen Füßen spürt er die glattpolierten Granitplatten. Auf seinem Weg zur schönsten Frau Berlins, geht er über Pflastersteine, Gehwegplatten und Asphalt, bis er ans Weltkulturerbe Museumsinsel gelangt, um dort Nofretete endlich in die Arme zu schließen. Nun hat er die Kraft die Wahrzeichen der Stadt zu begreifen. Tastobjekte wie Fernsehturm, Brandenburger Tor, Siegessäule und andere Highlights machen ihn zum Touristen. Auf einer "Holzbrücke" kann er verweilen und anderen Touristen, die scheinbar unter ihm auf einem Ausflugsdampfer vorbeifahren, zuwinken. Über Sandwege durch den Tiergarten, begleitet von Vogelstimmen, Joggern und Wochenendgrillern, erreicht er das Reichtagsgebäude. Dort hört er die aus Berliner Sicht weltberühmte Bitte Ernst Reuters, des ersten Westberliner Bürgermeisters: "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!" Diese Aufforderung nimmt er wörtlich, setzt seine Brille ab und schaut auf die amüsanten, abenteuerlichen und mutigen Tast- und Hörversuche der ihm folgenden Berlingäste. Und am Ausgang erwartet ihn eine überraschende Erkenntnis.

Empfang in der chinesischen Botschaft

Empfang in der chinesischen Botschaft anlässlich der Expo 2010 in Shanghai

 

Am Brandenburger Tor

Senatsverwaltung und TU Berlin grüßen Shanghai mit chinesischen Schriftzeichen am Brandenburger Tor

 

Interview

Interview des TV-Senders Phoenix mit dem stellvertretenden chinesischen Botschafter

 

Im Lichthof

Studierende grüßen Shanghai mit chinesischen Schriftzeichen, zu Gast: die Kanzlerin der TU Berlin, Frau Dr. Ulrike Gutheil

 

Eröffnung

Eröffnung der Ausstellung am Deutschen Pavillon

 

Ausstellung

Tastende Besucher der Ausstellung

 

Berlin zum Anfassen

Impressionen der Ausstellung "Close your eyes and see"

Berlin zum Anfassen - Schließe deine Augen und erlebe Berlins Sehenswürdigkeiten

"Die wahren Dinge sieht man mit dem Herzen nur". So heißt es schon bei dem französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery. In der Ausstellung "Close your eyes and see", die heute im deutschen Pavillon startet, bekommen die Besucher eine verdunkelte Brille und erleben so Berlin zum Anfassen. In einem begehbaren Parcours vor "Balancecity" tasten sich die Besucher an Berliner Gebäudemodellen wie Brandenburger Tor, dem Fernsehturm am Alexanderplatz, der Gedächtniskirche oder der Siegessäule entlang. Der Gang endet am Reichstagsgebäude in Miniatur. Auf dem Rückweg macht sich der Gast mit offenen Augen ein Bild von der Ausstellung,

Die Nachbildungen, die die Technische Universität Berlin erstellt hat, sind im Orginalmaßstab entstanden und begeistern durch ihre Exaktheit und Liebe zum Detail. Bewusst setzt die TU Berlin verschiedene Bodenbeläge wie Sand und Stein ein, um dem Besucher Berlin mit sallen Sinnen näher zu bringen. Die Ausstellung soll dem Publikum unter anderem einen Einblick in ein barrierefreies Planen und Bauen in der deutschen Hauptstadt geben. Sie ist noch bis zum 16. Juni 2010 zu besichtigen. Berlin präsentiert sich als offene Stadt, der die Integration aller Menschen wichtig ist und trägt hiermit zu einer Stadt im Gleichgewicht bei - balancecity also.

05.06.2010 - Webseite deutscher Pavillon

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Videdokumentation zum Projekt - copyright vf medien 2011

 

Ausstellung während der Nacht

Ausstellung während der Nacht

 


Tasttafel

Tastrelief vom Ort der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Tastrelief vom Ort der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas

 


Reichstag - Das neue Design für Blinde

Hunderte von blinden und sehbehinderten Menschen besuchen jährlich den Reichstag in Berlin. Die Kommision des Ältestenrates für Innere Angelegenheiten des Bundestages nahm das zum Anlass, ein Modellprojekt für mehr Barrierefreiheit zu initiieren. Sie beauftragte das Fach Modell+Design im Institut für Architektur der TU Berlin mit der Realisierung. Aus mehr als 1000 Einzelteilen entstanden in drei Jahren ein detailgetreues Modell des Reichstagsgebäudes, ein Querschnittsrelief und ein Stadtmodell des Parlaments- und Regierungsviertes für Blinde, Sehbehinderte und Sehende.

 

Modell vom Reichstagsgebäude im Maßstab 1:100

Modell vom Reichstagsgebäude im Maßstab 1:100

 

Werkstattgespräche

Werkstattgespräche - Volumenbestimmung anhand von Arbeitsmodellen. Studierende bauen Arbeitsmodelle als Gesprächsgrundlage für das erste Zusammentreffen mit blinden und sehbehinderten Menschen.

 

Reichstagführung

Blinde führen die Studierenden durch den Reichstag

Die ersten Zeilen einer Beschreibung des Studenten Philipp Kuebart

Wir waren zu viert unterwegs: Dr. Gerhard Polzin, der beim Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen arbeitet, Kerstin, die wohl so etwas wie seine persönliche Assistentin ist, und Anne.Nachdem ich vor dem Eingang die abgeklebte Brille aufgesetzt hatte, war ich erstmal damit überfordert, meine Tasche bei der Sicherheitskontrolle abzugeben und dann auch wieder zurückzubekommen, was letztlich mit verschiedener Hilfe geklappt hat. Den großen Aufzug aufs Dach habe ich beim Betreten nicht als solchen wahrgenommen, erst nach dem Hinweis von Herrn Polzin habe ich die Eindrücke des begrenzten Raumes, der mir aber für einen Aufzug viel zu groß erschien, und dem beengten Zusammenstehen der Aufzugspassagiere zusammengesetzt. Die Dachterrasse war durch die kühle Luft, den Wind und die direkte Sonne klar als nach oben freie Fläche erkennbar. Deren Form und Größe blieb mir dagegen unklar. Herr Polzin lief meistens ziemlich schnell vor mir und leitete mich mit seinem zusammengefahrenen Blindenstock, dessen Ende ich in der Hand hatte und den er entsprechend bewegte, um Richtungs- oder Geschwindigkeitsänderungen anzuzeigen. Kerstin ging als einzige von uns, die sehen konnte, voran und führte Anne. Der große Platz der Terrasse war an einer Stelle etwas unvermittelt durch eine Kette abgesperrt, ansonsten waren die Glasgeländer mit dicken Glasplatten und aufgesetzten Handläufen aus plastikbeschichtetem Metall (wodurch es nicht ganz so kalt war) bzw. die Kuppel selbst die Raumbegrenzung. Die Glasscheiben der Kuppel sind so groß, dass sie sich nur schwer abschätzen lassen, wenn man an ihnen entlang läuft. Die Gitter am Rand vor dem Geländer und die Fugen der Steinplatten im Fußboden ließen sich auch durch die Schuhe fühlen. Herr Polzin hat uns häufig darauf hingewiesen, welche Wahrnehmungen für ihn zur Orientierung wichtig sind, wie er Materialien erkennt und wie man sich zu verhalten hat (dass man z.B. in die Knie geht statt sich nach vorne zu bücken, um nicht mit dem Kopf gegen etwas zu stoßen). Der Wechsel in den Innenraum der Kuppel war klar durch den Wechsel des Fußbodenbelags, ganz andere Akustik, die andere Luft und den fehlenden Windzug. Das Geländer zur Kuppel hin, die ich mir natürlich in erster Linie aus meiner bildlichen Erinnerung aus Fotos, die ich vorher kannte, vorstellen konnte, ließ beim Entlanglaufen die leichte Kurve spüren. Wie oft die lange leicht ansteigende Rampe dabei um die Kuppel führte, konnte ich durch die Biegung überhaupt nicht feststellen. Anhaltspunkt war nur die Sonne, die durch die Drehung immer von einer anderen Richtung einfiel. Herr Polzin meinte auch, dass er leichte Kurven oft erst erkennt, wenn er eine Strecke in größerer Geschwindigkeit zurücklegt, also z.B. eine Straße, die er zu Fuß für gerade hielt, bei der Fahrt im Auto als gebogen erkennbar wurde. Die kleinen Absätze der Rampe alle 18 Schritte waren eine Orientierungshilfe, allerdings ...

 

Im Paul-Löbe Haus

Präsentation der Arbeitsmodelle - Kommission des Ältestenrates mit der Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag, Bundesverkehrsminister Peter Rammsauer und Burkhard Lüdtke im Marie-Elisabeth-Lüders Haus

 

Tast it - Test it

Tastender Student und Zeichungen von Testpersonen

Tast it-Test it

Kann ein blinder Mensch zeichnen? Mit Hilfe einer Gummimatte unter dem Papier lassen sich Linien ertasten und Wahrgenommenes wiedergeben. Studierende und Politikerinnen wagen den Selbstversuch und zeichnen Ertastetes "blind". Ergebnis: Nur die blinde Testperson erkennt eine deutlich schräggestellte Wand sowie eine überhöhte Kuppeldarstellung am Modell. Foto: Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag und Ines Mockenhaupt- Gordon, Leiterin des Besucherdienstes

 

 

Materialuntersuchung und Formenbau

Materialuntersuchung und Formenbau

Bau der über 1000 Einzelteile, aus denen sich das Modell im M 1:100 zusammensetzt. Materialuntersuchungen: Wie kann Oberfläche und Temperatur von Sandstein taktil abstrahiert werden? Zusammenfügen der 1000 Einzelteile zu Fassadenelementen.

 

Modell

Detail des Hintereingangs vom fertigen Modell

 

Umgebungsrelief

Ausschnitt des Parlament- und Regierungsviertels mit Brailleschrift

 

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NDR Fernsehbericht zum Reichstagsprojekt

 

Presse

Collage aus Presseberichten zum Projekt

 

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